Monika Willich, Fundraiserin Nachlässe und Großspenden beim Malteser Hilfsdienst e.V., über Hard and Soft Skills ihres Berufs.

 

Fundiert: Frau Willich, Sie sind Fundraiserin Nachlässe und Großspenden beim Malteser Hilfsdienst e.V. Wir würden uns gerne mit Ihnen über Ihre Arbeit als Fundraiserin für Großspenden unterhalten. Uns interessiert dabei zunächst einmal, welches Fachwissen man Ihrer Ansicht nach braucht, um Großspenderinnen und Großspender erfolgreich zu betreuen.

 

Monika Willich: Meiner Ansicht nach brauchen Sie, abgesehen von einem soliden Fundraising-Basiswissen, grundlegende Kenntnisse des Gemeinnützigkeits- und Steuerrechts, soweit sie das Spenden betreffen. Dann sollten Sie sich gut mit der Datenbank Ihrer Organisation auskennen. Und Sie sollten sich hervorragend in dieser Datenbank auskennen. Und schließlich ist es unerlässlich, dass Sie die eigene Organisation sehr gut kennen, also deren Projekte mitsamt ihrer Wirksamkeit und ihres Finanzbedarfs. Und Sie sollten sich von der Arbeit der eigenen Organisation begeistern lassen und andere mit dieser Begeisterung anstecken.

 

Fundiert: Mit der Begeisterung, von der Sie da sprechen, sind wir ja eigentlich schon bei den Soft Skills in Ihrer Arbeit. Wie sieht es damit aus?

 

Willich: Ganz allgemein würde ich sagen, gute Großspenden-Fundraiser und Fundraiserinnen zeichnen sich aus durch eine ausgeprägte Fähigkeit zur Empathie und gleichzeitig zum zielgerichteten Handeln.

 

Fundiert: Können Sie das mit dem zielgerichteten Handeln genauer erklären?

 

Willich: Sie brauchen zum Beispiel gute systematische Fähigkeiten. Nur so können Sie sicherstellen, dass Sie Großspendern pünktlich zum Geburtstag gratulieren oder andere wichtige Ereignisse nicht vergessen. Dann ist es wichtig, dass Sie sich gründlich mit dem jeweiligen Menschen befassen, um sein Spendenverhalten nachzuvollziehen und bei einem persönlichen Treffen gut vorbereitet zu sein.

 

Fundiert: Welche menschlichen Eigenschaften halten Sie bei Ihrer Arbeit für besonders wichtig?

 

Willich: Ich würde sagen Fleiß, Frustrationstoleranz und Flexibilität. Ein Beispiel: Eine betagte Großspenderin rief mich in einem kalten Winter an. Sie bat, die Malteser mögen doch jeden Morgen und Abend einen starken jungen Mann zu ihr nach Ingolstadt schicken zum Schnee schippen. Ich erkundigte mich bei den Maltesern in Ingolstadt und suchte schließlich für sie aus dem Internet Hausmeisterdienste heraus. Dann brauchen Sie einen langen Atem, Geduld und Hartnäckigkeit. Und schließlich gute kommunikative Fähigkeiten, vor allem die des aufmerksamen Zuhörens.

 

Fundiert: Müssen Sie sich manchmal vorstellen, um bei Ihrer Arbeit erfolgreich zu sein?

 

Willich: Nein. Authentizität und Aufrichtigkeit sind ganz wichtig. Aber man braucht auch Fingerspitzengefühl. Mich hat einmal ein einsamer Großspender Ende 70 eingeladen, mit ihm zwei Wochen Urlaub in seinem Ferienhaus an der Ostsee zu verbringen. Das habe ich so höflich ich konnte abgelehnt. Dennoch erhielten wir Jahre später fast eine halbe Million Euro von ihm.

 

Fundiert: Wie gehen Sie um mit Interessen, Hobbys, Vorlieben, Erfahrungen Ihrer Spender?

 

Willich: Zunächst einmal geht es ja darum, menschlich mit den Spendern in Kontakt zu kommen und sich für sie zu interessieren. Damit das gelingt, ist eine gute Allgemeinbildung hilfreich. Ich habe mit Spendern schon Gespräche über Kochrezepte, die Gebärdensprache der Gehörlosen oder die US-amerikanische Autoindustrie geführt. Ebenso wichtig wie die Allgemeinbildung sind psycho-soziale und geschichtliche Kenntnisse. Denn die Erlebnisse der Kinder- und Jugendjahre und ihr geschichtlicher und sozialer Kontext geben Aufschluss über die Persönlichkeit. Ein Beispiel: Eine kinderlose Witwe, Jahrgang 1935, entschied sich, die Malteser zu ihrem Alleinerben zu machen. In einem früheren Testament hatte sie ihre Nichte mit dem Gesamtnachlass bedacht. Doch eines Tages beobachtete sie, wie ihre Nichte alle Lebensmittel aus dem Kühlschrank, deren Haltbarkeitsdatum überschritten war, umgehend in den Müll warf. Ein unfassbares Handeln für jemand, der in der Kriegs- und Nachkriegszeit Hunger erlebt hat.

 

Fundiert: Gibt es noch weitere Eigenschaften, die man beim Fundraising für Großspenden unbedingt braucht?

 

Willich: Oh ja! Ein Magen, der so ziemlich alles verträgt, inklusive einer Vorliebe für Kaffee und Mohnkuchen, ist absolut unerlässlich.

 

 

Udo Marquardt